Nach nur zweijähriger Bauzeit konnten die neuen Räumlichkeiten der PHSH pünktlich auf den Semesterstart hin eröffnet werden. Die neue Rektorin, Anne Bosche, begrüsste die 100 geladenen Gäste aus Politik, Bildung, Bau und Architektur in der Aula in sichtlich guter Stimmung und gab ihrer Freude über den gelungenen Ausbau der beiden Geschosse im Kammgarn-Westflügel Ausdruck.
Der Regierungsrat und Erziehungsdirektor Patrick Strasser würdigte den geschichtsträchtigen neuen Standort der PHSH und die gesellschaftlichen Transformationen von der Klosterzeit über die Industrialisierung bis zur Wissensgesellschaft, wo Hochschulen im Zentrum häufig in ehemalige Industriebauten Einzug nehmen. Strasser blickte auch zurück auf den politischen Prozess, der den Boden für die PHSH an der Kammgarn ebnete und der in einem knappen «Ja» des Schaffhauser Stimmvolks vom 30. August 2020 gipfelte. Aus Sicht des Erziehungsdirektors war das ein folgerichtiger und wegweisender Entscheid, der dazu beiträgt, dass die Schaffhauser Schulen auch künftig auf Lehrpersonen zählen können, die im eigenen Kanton ein qualitativ gutes Studium absolvieren können.
Der Präsident des Hochschulrates, Boris Bänziger, schlug den Bogen vom neuen Standtort der PHSH zu den Anfängen der Lehrpersonenbildung in Schaffhausen. Diese begann vor genau 200 Jahren mit der «Bildungsanstalt für Lehrer», die 1826 in den benachbarten Räumen des ehemaligen Klosters Allerheiligen untergebracht war. Die PHSH mag damit örtlich zu ihren Ursprüngen zurückgekehrt sein. Sie tut dies 2026 als moderne und akkreditierte Pädagogischen Hochschule, die den gesetzlich vorgegebenen vierfachen Leistungsauftrag von Aus- und Weiterbildung, Dienstleistungen sowie Forschung und Entwicklung erbringt.
Die Architektin Deborah Stoller vom Architekturbüro Berger und Hammann erläuterte ihr Gestaltungskonzept. Sie liess sich inspirieren von der Geschichte der Kammgarn mit ihrer Garnherstellung und als ursprünglicher Produktionsstandort der Schaffhauser Wolle. Runde räumliche Anordnungen in verschiedenen Grössen erinnern an Fadenspulen und runde Garnknäuel. Im Zentrum des ersten Geschosses dominiert die kreisförmig aufgestellte Bibliothek samt Empfang, während im zweiten Geschoss ein grosses rundes Atrium die Mitte markiert. Ein Iglu-förmiger Gruppenraum sowie diverse rund geschwungene Rückzugsmöglichkeiten für individuelles Lernen oder Gruppenarbeit ergänzen die Vielfalt an organisch geformten Lern- und Arbeitsplätzen.
Die Planung seitens der PHSH als Nutzerin fiel in die Amtszeit von Thomas Hermann. Der ehemalige Rektor skizzierte den partizipativen Prozess, der im engen Austausch zwischen PHSH und der Architektin zum vorliegenden Resultat geführt hat. Dabei sind die Bedürfnisse der Dozierenden aus allen Fachbereichen eingeflossen. Zudem wurden aktuelle pädagogische und hochschuldidaktische Überlegungen für eine zeitgemässe Hochschullehre berücksichtigt. Dies geschah im Rahmen eines Kooperationsprojekts mit der Pädagogischen Hochschule Luzern, die ebenfalls einen neuen Campus plant.
Ein musikalisches Programm mit Schaffhauser Liedern, aufgeführt von den Dozierenden Jasmine Schneider (Klavier) und Christoph Battaglia (Gitarre und Gesang) sowie der Studentin Andrina Schudel (Gesang) gab einen schönen Einblick in die Musikkultur an der PHSH. Eine besondere Überraschung war die Erstvertonung des Gedichts «Zitterli» des Schaffhauser Bauerndichters Jakob Brütsch (1919–2005).
Im Rahmen einer Führung durch die neuen Räumlichkeiten konnten sich die Besucherinnen und Besucher selbst ein Bild machen von der gelungenen Architektur und den stimmigen, oft flexibel nutzbaren Lern- und Arbeitsräumen. Das Mobiliar am neuen Standort umfasst einen grossen Teil der bisher genutzten Möbel und wurde mit gezielten Neuanschaffungen sinnvoll ergänzt.