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Verabschiedung eines Dreamteams

Wir verabschieden uns von Thomas Meinen und Lizzi Wirz. Die Strukturfrau und der Visionär: Porträt eines «kongenialen Duos».

Die Pädagogische Hochschule Schaffhausen (PHSH) ist im Umbruch. Das ist ein Satz, den man zu fast jedem Zeitpunkt während der gut 20-jährigen Existenz dieser Bildungseinrichtung hätte sagen können, ohne dass man damit falsch gelegen hätte. Aktuell trifft er besonders gut zu. Erst vor einem Jahr hat die PHSH mit dem Hochschulgesetz einen neuen Status als öffentlich-rechtliche Anstalt erhalten. Diesen Herbst noch steht die institutionelle Akkreditierung an, welche alle Hochschulen gemäss neuem Bundesgesetz benötigen. Und in zwei bis drei Jahren wird es Zeit für den Umzug vom Ebnat in den Kammgarn-Westflügel, dessen Ausgestaltung noch alles andere als in trockenen Tüchern ist.

Der grösste Umbruch dürfte allerdings personeller Natur sein. 2021 verlassen ganze acht Kadermitarbeiterinnen die PHSH, gehen in Pension. Man spricht von einem Generationenwechsel. Die zwei prominentesten Abgänge: das Führungsduo aus Rektor Thomas Meinen und Lizzi Wirz, Prorektorin für den Bereich Ausbildung. Vor gut anderthalb Wochen durften sie im bis auf den letzten Sitzplatz gefüllten Haberhauskeller ihre persönliche Kiste Staatswein in Empfang nehmen – eine zweistündige Bühnenshow inklusive Ansprache von Bildungsdirektor Strasser, selbstkomponierter Sinfonie der PH-Musikdozenten, diverser Laudatien, massenhaft Abschiedsgeschenke und noch mehr Applaus. Man merkte schnell: Vor vielen Menschen zu stehen, das sind sie sich gewohnt. Aber dass es dabei um ihre Person geht, ist ihnen eher etwas unangenehm. Als sie auf der Bühne interviewt werden, machen sie jeweils lange Pausen und überlegen einen Moment, bevor sie antworten. Es macht den Eindruck, als wollten sie um jeden Preis vermeiden, sich gegenseitig zu unterbrechen. Und wenn die Interviewerin Desiree Meyer nach Erfolgen fragt, zählen sie sofort ein halbes Dutzend Leute auf, die da ebenfalls mitgewirkt haben. 

Wer ist dieser grossgewachsene Berner mit den breiten Schultern, der von allen als Visionär und Motivator bezeichnet wird? Und wer diese Frau mit dem einnehmenden Lächeln, die als das Organisationstalent hinter der PH gilt? Wie haben sie es geschafft, die Studentenzahl der Pädagogischen Hochschule zu verdoppeln, sie als Hochschule zu etablieren und ihr einen prominenten Platz in der Altstadt zu sichern? Was war ihr Erfolgsgeheimnis? Und was davon war eigentlich das Verdienst dieser doch eher zurückhaltend auftretenden Menschen?

Ein paar Tage nach ihrer grossen Abschiedssause: Bei einem Videotelefonat rekapitulieren die beiden ihre Karrieren. Thomas Meinen hat nicht viel Zeit, er ist gerade mitten im Zügelstress. Er zieht zurück in seinen Heimatkanton, in ein kleines Dorf oberhalb von Spiez. Doch gestresst wirkt er eigentlich überhaupt nicht. Und da sind sie wieder, diesmal möglicherweise verstärkt durch die Latenzzeit der Internetverbindung: diese langen Pausen vor den Antworten. Der Mann ist die Ruhe in Person. Zuerst habe er eine klassische Leh- rerausbildung gemacht. Nach ein paar Jahren Unterrichtstätigkeit folgte ein Studium der Geschichte und Erziehungswissenschaften an der Uni Bern. Später leitete er Weiterbildungen an der PH Bern, machte sich als Berater selbstständig. In dieser Funktion kam er das erste Mal nach Schaffhausen, wo er ein Kollegium beriet, das die PHSH weiterentwickeln sollte. Da habe er sich gesagt: «Hier will ich arbeiten.» Wenig später ging der ehemalige Rektor Eduard Looser in Pension und Meinen packte die Gelegenheit. Das war 2010. Lizzi Wirz war bereits zu diesem Zeitpunkt ein PH-Urgestein. Die ausgebildete Primar- und Sportlehrerin bildet seit 30 Jah-
ren Lehrerinnen aus. Zuerst an der Kanti, wo das Lehrerseminar (der Vorgänger der PH) früher angesiedelt war. 2001 übernahm sie dort die Leitung der berufspraktischen Ausbildung. Und als es um die Jahrtausendwende darum ging, eine Pädagogische Hochschule aufzubauen, sei sie irgendwie «hineingerutscht», erzählt sie. Wirz ist länger an der PH, als es die PH überhaupt gibt. Sie hat all die politischen Scharmützel miterlebt, mit denen von bürgerlicher Seite versucht wurde, die PH zu delegitimieren, all die Sparmassnahmen
und Parlamentarier, die sagten, die PH Zürich sei doch nur 45 Minuten entfernt, Schaffhausen brauche keine eigene. «Es hat sich gelohnt, weiterzukämpfen», sagt sie. Thomas Meinen nickt und betont diplomatisch: «Ich schaue ohne Gram zurück. Der Widerstand gegen die PH hat uns viel Kraft gekostet und Prozesse behindert. Aber ich kann diesen Widerstand nachvollziehen.»

Politik, Lobbying, Öffentlichkeitsarbeit – das war nicht das Kernthema des Wirz-Meinen-Duos. Dies bemerkt man im Gespräch mit den beiden und das bestätigen auch Weggefährten. Lukas Baumann, der vor gut drei Jahren zusammen mit René Schmidt das überparteiliche Komitee «PH in die Kammgarn» geleitet hat, erinnert sich noch gut an den knapp gewonnenen Abstimmungskampf und die Zusammenarbeit mit dem PH-Rektor. «Als wir Thomas zu unserer Sitzung eingeladen haben, war er sofort begeistert von der Idee. Er kann gut strategisch denken und erkennt Chancen, wenn sie sich bieten», erzählt Baumann. Politisch sei Meinen aber kaum vernetzt gewesen in Schaffhausen. Manchmal, sagt Baumann, habe er das Gefühl gehabt, Thomas Meinen und auch Lizzi Wirz wären am liebsten komplett in ihrer «PH-Blase» geblieben und hätten die Politik den anderen überlassen. Das sei aber gleichzeitig auch ihre Stärke gewesen. «Anders als zum Beispiel Ernst Schläpfer damals am BBZ, von dem jeder wusste, dass er in der SP war, wurde Meinen als unabhängig wahrgenommen. Das hat es ihm erlaubt, in diesem Abstimmungskampf unter dem Radar zu bleiben, was sehr geschickt war von ihm.»

Wenn man das Wirken von Thomas Meinen und Lizzi Wirz fassen will, muss man also primär an der PH selbst suchen. Ein «Dreamteam» seien die beiden gewesen, heisst es von ehemaligen Studentinnen und Studenten, meist seien sie gemeinsam aufgetreten. «Ich habe sehr positive Erinnerungen an die beiden», sagt auch Jérôme Ehrat, der die PH vor neun Jahren abgeschlossen hat und heute im Kanton Zürich unterrichtet. «Lizzi ist eine herzliche und nahbare Person. Nach zwei bis drei Monaten kannte sie bereits alle Studierenden beim Namen.» An Thomas Meinen habe er vor allem seine Führungsqualitäten geschätzt. «Seine Tür stand immer offen und er hat gut zugehört. Aber er hatte auch seine Linie. Bei ihm wusste man, woran man ist. Ich habe ihn als Patron alter Schule erlebt, aber gleichzeitig sehr umgänglich.»

«Die Studierenden nicht als Betroffene, sondern als Beteiligte betrachten», das sagte Thomas Meinen auf der Haberhausbühne, als er nach seinen Prinzipien gefragt wurde.Christoph Schmutz, Vorsteher der Steigschule und Lehrmittelbeauftragter der Stadt, kennt Wirz und Meinen auch privat und sagt: «Beide sind klassische homo ludens, sehr verspielte Typen.» Einerseits seien sie sehr sportlich, spielten hervorragend Beach-Volleyball und im Jassen sei ihnen kaum das Wasser zu reichen. Andererseits hätten die beiden auch einen spielerischen Zugang zu Menschen. «Vor allem mit Thomas kann man herrliche Grundsatzdebatten über pädagogisch-philosophische Themen führen. Er liebt Diskussionen, hat aber gleichzeitig eine ruhige und akzeptierende Art», sagt Schmutz. In Bezug auf ihre Arbeit an der PH hätten sich Wirz und Meinen perfekt ergänzt. «Lizzi ist unglaublich verlässlich, eine bodenständige Strukturfrau und akribische Schafferin, die den Überblick behält. Thomas ist eher der Visionär und kann Menschen gut motivieren.» Lizzi Wirz und Thomas Meinen – «ein kongeniales Duo», findet Christoph Schmutz.

Seit Anfang August sind die beiden in Pension. Das neue Führungsquartett heisst Gerda Buhl, Renato Müller, Thomas Herrmann und Edina Krompak. Gefragt, ob es schwer sei, loszulassen, lachen Lizzi Wirz und Thomas Meinen. «Nein, wir haben eine sehr überzeugende Nachfolge», so Meinen. Und Wirz: «Jetzt geht es darum, eine neue Hochschule an einem neuen Standort zu bauen. Ich denke, es ist besser, das den Jüngeren zu überlassen, es geht um die PHSH der Zukunft.»

Artikel aus der Schaffhauser AZ, geschrieben von Luca Miozzari, 09.09.2021

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